Was wäre wenn…

Eins vorweg: Dieser Post ist nichts für schwache Gemüter! Wer nicht psychisch stabil ist, sollte ihn lieber nicht lesen.

Ja, ja… Das Leben und ich. Wir sind uns nie richtig nahe gekommen. Es gab in meinen 41 Jahren selten gute Phasen. Zu oft habe ich an mir gezweifelt. Noch öfter hab ich gehofft, dass es doch bald ein Ende haben soll. All das Leid, die Trauer und den Hass gegen mich selbst. Sie haben mich oft an einen Punkt gebracht, wo ich nur noch einen Ausweg aus dem ganzen gesehen habe. Und dennoch… Ich bin noch immer da. Gezeichnet vom Leben. Gezeichnet vom überleben…

Ich habe aufgehört mich zu fragen, warum es mir in meinem Leben so ergangen ist. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Schlussendlich haben mich all diese Dinge zu diesem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Kaputt… Voller Selbstzweifel und Hass gegen mich selbst… Müde… Sehr oft habe ich mich gegen meinem innerern Verlangen aufgerafft und gegen all meine Dämonen angekämpft. Ein paar Mal dachte ich auch, ich schaffe es aus meiner Hölle heraus. Allerdings sind meine Dämonen in der Überzahl. Und ich muss mich diesem Kampf alleine stellen. Hilfe von außen gibt es zwar, aber den Dämonen muss man sich leider alleine stellen. Da führt kein Weg dran vorbei… In den ganzen Klinik Aufenthalten habe ich mir einiges an theoretischem Wissen angeeignet. Wie mein Leben sein kann… Ohne meine Dämonen. Dies hat mich ein Stück weit motiviert. Aber wenn meine mal wieder am gewinnen waren, hat mich dieses Wissen nur noch trauriger und wütender gemacht.

Wütend darüber, dass ich all das Wissen nicht komplett in der Praxis anwenden kann. Stattdessen falle ich immer wieder in meine alten Verhaltensmuster zurück. Sie werfen mich jedes Mal wieder Lichtjahre zurück. Und ich muss wieder von vorne anfangen. Das schlaucht…

Das wirft eine Frage auf, die ich mir immer in solchen Momenten stelle…:

Was wäre wenn…? Wenn das alles endlich ein Ende hat?

Nie wieder einen Tag voller Ängste erleben… Nie wieder total übermüdet und den Kopf voller Gedanken versuchen einzuschlafen… Nie wieder sich Gedanken über´s Geld machen… Nie wieder sich tagelang vom gleichen ernähren, weil kein Geld für was anderes da ist… Nie wieder sich schämen, weil man sein Leben wieder mal nicht in den Griff bekommt… Nie wieder sich Gedanken machen, was wohl die anderen über einen denken… Nie wieder sich schlecht fühlen, weil man seine Freunde und Familie enttäuscht… Nie wieder sich hassen, weil einem der Körper so abstoßend vorkommt… Nie wieder Gedanken machen, ob man jemals wieder eine Frau kennen bzw lieben lernt…

Und die Vorstellung, das noch zwanzig vielleicht dreißig Jahre zu haben, schnürt sich bei mir die Kehle zu. Sicherlich ist der Ausweg aus diesem Ganze nicht schön… Es befreit mich zwar, wirft aber allerdings einen großen Schatten auf andere. Leute die mir nahe stehen. Sie müssten dann mit einem Schmerz leben. Aber sehen wir es positiv: Dieser Schmerz vergeht. Und für alle Beteiligten wäre es eh das Beste. Sie bräuchten sich ebenfalls nie wieder Gedanken um mich machen.

Ich denke mal, dass die meisten Menschen die den Freitod wählen, eigentlich nicht sterben wollen. Denn es gibt sicherlich auch schöne Seiten am Leben. Ich persönlich mag es gerne, wenn ich draußen in der Natur bin. Wenn die Sonne scheint, und ich mit meinem Bike unterwegs sein kann. Das ist komischerweise die einzige Situation, in der ich mich wohl fühle. Und es gibt auch Sachen, die ich definitiv vermissen würde. Meine Freunde zum Beispiel… Ich hab nicht viele Freunde. Dafür richtig gute. Sie haben mich zu jeder Zeit so gut es ging unterstützt. Meine Schwester… Sie ist die einzige aus meiner Familie, zu der ich ein gutes Verhältnis habe. Auch hier bei ANAD hab ich ein paar liebe Menschen kennen gelernt.

Und dennoch… Das alles ist nicht genug. Wenn ich eine Pro/Kontra Liste erstellen würde, wären auf der Kontra Seite mehr Punkte. Es reicht einfach nicht, um sich all den Schmerz, dem Leid und den negativen Gedanken gegenüber zu stellen und den Kampf fortzuführen…

Sicherlich habe ich Angst vor diesem Schritt. Denn in mir ist ein kleiner Fleck, der trotz allem an ein gutes Ende glaubt. Der mich am Leben halten will. Allerdings habe ich mehr Angst davor, wie mein Leben mit den oben genannten Punkten weiter verläuft. Und da ist dieser Schritt es zu tun, zwar ein großer, aber aus meiner Sicht auch ein notwendiger Schritt.

Ihr dürft mich hassen oder verurteilen. Diesen Schritt zu wagen, ist für manche von euch bestimmt feige. Da geb ich euch sogar Recht. Das ist ein endgültiges davon laufen. Wie oben schon mal erwähnt, tu´ich meinen Leuten damit keinen Gefallen. Richtig… Sie müssen dann mit diesem Schmerz leben. Auch richtig… Aber was ist mit meinem Schmerz? Und kann sich nicht jeder Mensch aussuchen, wie er leben möchte? So sollte es jedem Menschen frei sei, seinen Tod ebenfalls frei zu wählen.

Ich hab es mir damals nicht ausgesucht, ob ich leben möchte. Ich wurde nicht gefragt. Gut, ich hatte da wohl kein Mitspracherecht… Egal…

Am Ende werde ich es wieder nicht fertig bringen. Aus Feigheit… Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Doch das hab ich. Eben gerade… Ich hätte mich nur noch baumeln lassen müssen. Alles war vorbereitet. Dieser Text galt als mein Abschiedsbrief. Ich hatte schon den Kopf drin… Und dennoch sitze ich hier, und ändere diesen Text. Um mich wird es glaube ich eine lange Zeit ruhig werden. Ich werde noch heute eine Klinik aufsuchen, und lass mich für lange Zeit weg sperren. Ich will nicht in eine Klinik. Allerdings will ich auch nicht so ein Leben führen… Und beenden kann ich es auch nicht. Also tu´ich den Leuten den Gefallen, und lass mich einweisen.

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2 Gedanken zu “Was wäre wenn…”

  1. Ich frag Dich ein anderes ‚Was wäre wenn?‘:
    Was wäre, wenn Du Dir ab sofort Deiner Göttlichkeit und Schöpferkraft bewusst wärst?
    Was wäre, wenn Du beim Körper begännest und ab sofort ‚artgerecht‘ lebtest?
    Ich geb Dir die Antwort, da ich sie aus zahlreichen Beispielen kenne, sie sich aber dennoch kaum jemand vorstellen kann:
    Du wärst ein topgesunder, glücklcher Mensch, der es gar nicht fassen könnte, soviele Lebensjahre wegen so banaler peanuts sosehr vergeudet zu haben.
    In diesem Sinne: Liebe Grüße und
    paradise your life!

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    1. Ich selbst glaube nicht an Gott oder etwas göttliches… Ich hoffe, dass nach dem Tod nicht noch ein Leben auf mich wartet. Eine gute Freundin meinte heute zu mir, ich hätte es nun schon so oft versucht. „Du bist mit diesem Leben noch nicht fertig!“ Zugegeben… So hab ich das noch nie gesehen. Es stimmt mich ein wenig nachdenklich…

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